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Ausländische Pflegefachkräfte rekrutieren oder Menschenhandel fördern?

Aktualisiert: 25. Apr. 2023

Das alltägliche Dilemma für deutsche Kliniken und Krankenhäuser




Die Wahrheit scheint allmählich ans Licht zu kommen. Es tauchen immer mehr Berichte und Reportagen auf, die das dubiose Geschäft von zwielichtigen Personalvermittlungen aus dem Ausland aufdecken.


Inhaltsverzeichnis


  • schamlose Ausnutzung von Fachkräftemangel in großen Betrieben

  • exorbitante Margen im Vermittlungshonorar

  • Das Spiel mit den Träumen von Menschen

  • Systematisches Ausnehmen von Pflegefachkräften mit rechtswidrigen Verträgen

  • Handlungsempfehlungen



Profiling - Auswahl passende Bewerber
Profiling


Schamlose Ausnutzung von Fachkräftemangel in großen Betrieben

Ohne groß zu paraphrasieren, gebe ich Ihnen hier Klartext aus Insiderwissen und Praxiserfahrung. In diesem Beitrag erhalten Sie einen tiefen Einblick in das Geschäft des modernen Menschenhandels.


Aus Sicht der Personalvermittlungsagenturen sind die Kliniken Opfer eines auf den demografischen Wandel basierenden flächendeckenden Fachkräftemangel im Gesundheitswesen. Je größer der Betrieb desto größer der Personalbedarf und desto größer die finanziellen Mittel. Den Krankenhäusern und Kliniken bleiben gar keine andere Möglichkeit als aus dem Ausland zu rekrutieren. Das wird dementsprechend ausgenutzt. Eventuell auch, weil einige Personalvermittlungen mitbekommen haben, dass die Einstellung neuer Pflegefachkräfte vom Bund gefördert werden.

Ganz einfach an einem Beispiel erklärt:

Wenn ein Klinikum bereit ist, 20.000€ pro Pflegefachkraft zu bezahlen, warum soll ich dann nur die Hälfte nehmen?! Personalvermittlungen mit Werten wie Nachhaltigkeit und ethisch faire und transparente Zusammenarbeit würden sagen:

Lieber vermittle ich dann anstatt zehn Pflegefachkräfte zwanzig für 200.000€ und unterstütze damit das gesamte Gesundheitssystem und die deutsche Wirtschaft. Die meist knappen finanziellen Mittel über die ein Klinikum verfügt, können schließlich vielseitig in anderen Bereichen investiert werden.

Exorbitante Margen im Vermittlungshonorar

Als Personalvermittler kann ich Ihnen garantieren, dass der Vermittlungsaufwand und die verschiedenen Rekrutierungsstrategien aktuell im Durchschnitt mindestens verdoppelt berechnet werden.

Im Jahr 2022 kann man schon erwarten, dass die Agenturen bereits mit Performance Recruiting, Social Media Marketing arbeiten und auf ein großes im Herkunftsland ansässiges Netzwerk mit entsprechenden Kandidatenpool zurückgreifen.

Vergessen Sie nicht das fragwürdige Personalvermittlungen in der Regel auf viele andere Nebeneinkünfte zurückgreifen. Personalvermittlungen aus dem Ausland geben gerne das “Rundum-sorglos-Paket”. Sie unterrichten die Fachkräfte die deutsche Sprache und kümmern sich um die gesamte Bürokratie der Bewerber.


“Unterschreib nur hier und da und gib uns die Vollmacht, sodass wir für dich beantragen und entscheiden dürfen. Ach ja und bitte 5.000€ im Voraus bezahlen.”

Erkundigen Sie sich mal nach der Kostenstruktur der Agentur, mit der Sie zusammenarbeiten und lassen Sie es sich im Zweifelsfall schriftlich geben.


Vertrag Bestechung

  • Muss die Pflegefachkraft für die Vermittlung bezahlen?

  • Hat die Pflegefachkraft Strafen zu befürchten, wenn sie aussteigen möchte?

  • Müssen Sie im Voraus bezahlen oder gibt es eine erfolgsbasierte Vergütung?

  • Beträgt das Vermittlungshonorar mehr als 15.000€?

Das Spiel mit den Träumen und der Zukunft der Pflegefachkräfte


Deutschland wird im Ausland sehr euphemistisch wahrgenommen. Eine starke und wachsende Wirtschaft. Ein großartiges Gesundheitssystem mit einem starken wirtschaftlichen und politischen Hintergrund. Keine Armut, keine Arbeitslosigkeit, keine Sorgen. Freizeit, Reichtum, Innovation, Modernität, Weltoffenheit und unbegrenzte Möglichkeiten unter der Voraussetzung, dass man dafür hart arbeitet.

Die Personalvermittler fungieren als Schnittstelle zwischen Deutschland und dem entsprechenden Land und sind für viele Fachkräfte der einzige reale Bezug zu Deutschland. In der Praxis sieht es dann so aus, dass eine Agentur den Pflegefachkräften verspricht in Deutschland viel Geld zu verdienen. Die Wohnung ist schon sicher und der Vertrag quasi auch. Die Bürokratie ist keine Hürde und man wird sicher vom deutschen Arbeitgeber genommen. Das wird dann gerne mit ein paar Bildern und Videos von vorherigen Projekten untermauert und auf unangenehme Rückfragen wird im Stile der Politik geantwortet. Viel reden, ohne etwas zu sagen.

Schnell entsteht der Traum von der Arbeit in Unabhängigkeit, vom guten Geld und besseren Arbeitsbedingungen. Endlich kann die Pflegefachkraft den erlernten Beruf in einem modernen Land ausüben und nebenbei die Familie unterstützen.

Doch spätestens, wenn der deutsche Arbeitgeber im Vorstellungsgespräch nicht überzeugt werden konnte oder die sprachlichen Fähigkeiten nicht ausreichen, weil man aus bestimmten Gründen die Sprachprüfung vorerst nicht geschafft hat, wird man ganz schnell aussortiert. Selbstverständlich kann man als Pflegefachkraft im Ausland dann ewig hinter der Agentur herlaufen und das bereits bezahlte Geld vergeblich zurückfordern. Existenzen gehen daran kaputt. Das über Jahre schwer ersparte Geld fällt in die Hände von gewissenlose Personalvermittlungen. Immer wieder kommen Pflegefachkräfte auf uns zu, weil sie in uns deren letzte Chance sehen. Es sind herzzerreißende Geschichten von betrogenen Menschen, die lediglich nach besseren Arbeitsbedingungen streben und sich ein erfülltes Leben wünschen.

Systematisches Ausnehmen von Pflegefachkräften mit rechtswidrigen Verträgen

Nehmen wir mal an, man hat es durch die gesamte Vermittlungsprozedur geschafft und fängt endlich im Krankenhaus/Seniorenheim/Klinik etc. an. Die Personalvermittlungsagentur hat im Vorfeld die Pflegefachkräfte nicht ausreichend auf das Leben und die Arbeit in Deutschland vorbereitet. Das ganze System in Deutschland, die Kultur, das Arbeitsklima und die Menschen sind dieser bestimmten Pflegefachkraft zu fremd. Man ist unglücklich und überrascht, weil die Erwartungen leider nicht erfüllt worden sind. Letztendlich hatte die Personalvermittlungsagentur ganz was anderes versprochen. Die Pflegefachkraft möchte zurück in das Heimatland. Es geht aber leider nicht, weil man einen Vertrag unterschrieben hat, dass man mindestens 36 Monate in genau diesem Betrieb arbeiten muss.


rechtswidrige Verträge
rechtswidrige Verträge

Es könnte ja sein, dass damit die Geschäftsbeziehung zwischen dem Betrieb und der Personalvermittlung gefährdet wird und der Ruf kaputt geht. Dass der abgeschlossene Vertrag zwischen Pflegefachkraft und Agentur rechtswidrig und somit anfechtbar ist, weiß die Pflegefachkraft nicht. Anstatt der Pflegefachkraft in einem fremden Land beizustehen und in allen bürokratischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu unterstützen, wird schamlos profitiert. Nachhaltigkeit und Langfristigkeit sind im Vermittlungsprozess Fremdwörter.

Dass man eventuell dem Betrieb in so einem Fall eine Garantie für eine kostenlose oder reduzierte Neuvermittlung anbieten könnte, fällt den profithungrigen Personalvermittlungen aus dem Ausland im weitesten Sinne nicht ein. Ein umfangreiches Integrationskonzept im entsprechenden Betrieb zu implementieren und oder die Fachkräfte präventiv und intensiv im Herkunftsland vorzubereiten, wäre viel zu aufwendig. Wahrscheinlich liegt es auch an der fehlenden Fachexpertise der Agenturen.

Leider sind von diesem Problem auch staatliche Projekte getroffen. Die GIZ gilt als Vorbild für viele seriöse Personalvermittlungen die Pflegefachkräfte aus dem Ausland rekrutieren. In unseren Gesprächen mit den Arbeitsämtern in Tunesien hat man uns versichert, dass es eine totale Katastrophe sei. Zunächst wollte man mit uns nicht reden, da man uns als deutsches Unternehmen mit so einem Vorhaben bereits wegen dem TripleWin Projekt abgestempelt hat. Der Leiter des Arbeitsamtes in Tunesien berichtet von etlichen Fachkräften, die wieder zurück in das Herkunftsland reisen, weil die Integration so fehlgeschlagen ist. Die Fachkräfte seien komplett auf sich gestellt und hätten weder bürokratische Unterstützung noch einen Anschluss zur Gesellschaft. Das habe enorme finanzielle Verluste seitens der Arbeitsämter und der geförderten Projekte verursacht. Die GIZ hat uns auf Nachfrage ehrlich eingeräumt, dass die Arbeit in Tunesien nicht erfolgreich laufe und man an entsprechenden Maßnahmen arbeite.

Aber dazu gerne mehr in einem Beitrag zur Integration.

Handlungsempfehlung

Auch wenn es Zeit und Aufwand kostet, ist es sehr wichtig sich umfassend zu informieren. Holen Sie sich immer mehrere Angebote ein und sprechen Sie mit unterschiedlichen Personalvermittlungen, die aus dem Ausland rekrutieren.

Je nach Größe der Agentur, mit der Sie zusammenarbeiten, sollten Sie grundsätzlich ein Vermittlungshonorar von über 15.000€ nicht ernst nehmen, da sonst massiv an Ihrem Bedarf verdient wird. Woanders kriegen Sie es günstiger und Sie können sich wahrscheinlich mit den Werten oder das Leitbild der Agentur besser identifizieren.

Erkundigen Sie sich auf jeden Fall nach der Kostenstruktur der Personalvermittlung. Stehen die Rekrutierungsstrategien und der Arbeitsaufwand im Verhältnis zum Vermittlungshonorar und der Unternehmensgröße?

Personalvermittlungen aus dem Ausland, die Pflegefachkräfte vertraglich binden und Vorauszahlungen für eine Vermittlung verlangen sind in der Regel nicht vertrauenswürdig. Wer von den Pflegefachkräften für einen Arbeitsvertrag Geld verlangt, obwohl die Leistung bereits vom deutschen Arbeitgeber bezahlt wurde, hat nicht verstanden, weshalb wir Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland vermitteln.

Kann die Personalvermittlung ein strukturiertes und länderübergreifendes Konzept zur Integration der Pflegefachkraft vorlegen? Inwiefern werden die Pflegefachkräfte langfristig und nachhaltig begleitet? Sie sollten darauf Wert legen, dass verschiedene Vorbereitungskurse angeboten werden, sodass die Pflegefachkräfte sensibilisiert werden und Sie so eine künftige Fluktuation möglichst vermeiden.

Recherchieren Sie selbstständig Informationen über die Personalvermittlung. Holen Sie sich entweder Referenzen ein oder schauen Sie sich auf den Social-Media-Kanälen um. Hier erhalten Sie ein wahrheitsgetreues Bild zum Unternehmen. Wie ist das Verhältnis zu der Community? Gibt es bösartige Kommentare oder Betrugsvorwürfe? Gibt es auch wertvollen Inhalt oder wird nur Werbung gemacht? Werden die Pflegefachkräfte über deren Rechte und Pflichten informiert?

Allgemein als Tipp empfehle ich gerne genauer nachzuhaken, wenn etwas unklar ist. Agenturen, die nichts zu verbergen haben, antworten Ihnen mit schlüssigen und begründeten Erklärungen auf Ihre Fragen.

Gerne können Sie sich eine Checkliste herunterladen.

Checkliste zur Auswahl einer Personalvermittlung aus dem Ausland

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